Die verstrickte Dienstagsfrage


Heute fragte das Wollschaf:

Strickst oder häkelst du auch in der Öffentlichkeit (also in Cafés, Bus und Bahn, Büchereien, in der Uni, am Arbeitsplatz etc.) ? Wenn ja, welche Erfahrungen hast du damit gemacht und wie reagiert die Umwelt darauf? Wurdest du schon angesprochen und was haben sie gesagt?

Vielen Dank an Katharina für die heutige Frage!

 

Das ich in der Öffentlichkeit handarbeite, werden die meisten Leser dieses Blogs wissen. Immerhin ist Die häkelnde Gefahr der mit Abstand meistgelesenste Artikel hier. Ich habe eigentlich immer was dabei und vertreibe mir die Zeit während längerer Bahnfahrten und Wartezeiten. Aber auch in Kneipen und Cafés handarbeite ich bisweilen. In der griechischen Kneipe bei mir um die Ecke kennt man mich als das Kuriosum, dass sich bei Fußballspielen dort hinsetzt, diese häkelnderweise verfolgt und dann auch noch bei Toren der (aus deren Sichte) falschen Mannschaft jubelt. Dabei sitze ich dort immer so, dass niemand Angst vor der Häkelnadel haben muss, wenn ich meine Arme hochreiße 😉

Das Häkelnadeln bisweilen als Waffe angesehen werden, musste ich übrigens einmal feststellen, als mich die Polizei nicht nach Hause gehen ließ. Denn bei mir in der Gegend fand eine Nazidemo statt. Ich war unterwegs und auf dem Heimweg, als ich in eine Polizeikontrolle geriet. Die Durchsuchung meines Rucksackes brachte ein Arsenal gefährlicher tunesischer Häkelnadeln zu Tage und da ich mich nach meinem letzten Umzug noch nicht umgemeldet hatte, konnte ich nicht plausibel erklären, dass ich auf dem Weg nach Hause war und wurde nicht durch gelassen.

Im Sommer wurde mir die Hitze irgendwann zu viel und ich rief bei Facebook dazu auf, sich in Vorfreude auf den Winter in einer kühlen U-Bahnstation zu treffen und dort schonmal die ersten Mützen und Schals zu produzieren.

Die Reaktionen auf öffentliches Handarbeiten sind viefältig und im Durchschnitt meistens von Neugier und Überraschung geprägt. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Reaktionen von Männern und Frauen unterschiedlich ausfallen und diese auch altersabhängig sind.

Bei Männern ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Reaktionen negativ sind, als bei Frauen. Die Wahrscheinlichkeit von negativen Reaktionen nimmt zu, je jünger die Männer sind und wenn sie als Gruppe unterwegs sind.

Bei Frauen sind negative Reaktionen weitaus seltener und kommen häufiger bei alten Frauen vor.

Die überwiegenden Reaktionen sind allerdings positiv.

Die Palette ist vielfältig und beginnt bei passiven Reaktionen, wie neugierigen Blicken, getuschel und kichern. Oftmals werde ich aber auch angesprochen. Der häufigste einleitende Satz ist übrigens „was strickst du denn da?“. Dabei habe ich noch nie in der Öffentlichkeit gestrickt, sondern bislang nur gehäkelt, tunesisch gehäkelt, oder nadelgebunden. Bei den beiden letztgenannten Techniken werde ich auch häufig gefragt was ich da mache und werde durchaus auch gebeten, mal zu zeigen wie das geht.

Wenn sich ein Gespräch entwickelt, höre ich neben Lob, oft Verwunderung darüber, dass ich das kann, obwohl ich ein Mann bin. Eine weitere häufige Reaktion ist, dass mir gesagt wird, dass mein Gegenüber es gut findet, dass ich das mache und dass es ja leider immer seltener wird, dass das jemand kann, direkt gefolgt von dem Hinweis, dass er es selber nicht kann, weil ihm die Geduld dazu fehlt.

Abschließend kann ich jedem schüchternen Mann nur empfehlen, öffentlich zu Handarbeiten. Mir ist keine Tätigkeit bekannt, bei der man häufiger von fremden Frauen angesprochen wird 😉

Langzeitprojekt mit ungewissem Ausgang


Neben meiner Arbeit an diversen Weihnachtsgeschenken, habe ich mit einem Langzeitprojekt begonnen, bei dem ich nocht nicht genau weiß, worauf es hinauslaufen wird. Ich habe meinen Kleiderschrank ausgemistet, da zu viel Platz von Klamotten eingenommen wurde, die zu klein, zerschlissen, oder einfach nicht mehr mein Geschmschmack sind.

Das es aber so viele sind, hat mich dann doch überrascht:

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Ich habe damit begonnen die Klamotten zu zerschneiden. Zunächst schneide ich die Nähte raus, danach schneide ich aus den Einzelteilen jeweils ein langes Band. Dieses wickle ich dann auf einer Kreuzspindel zu einem Knäuel.

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Diese Knäuele sollen natürlich verarbeitet werden. Jedoch weiß ich noch nicht genau, was ich daraus mache. Ich habe zwar schon eine Idee im Hinterkopf, bin jedoch noch unentschieden und würde mich darum sehr über Anregungen von euch freuen. Auf jeden Fall fände ich es interessant die Unterschiedlichen Materialien (Baumwolle, Leinen, Jeans, Cord, …) in einem Projekt zu verarbeiten.

Nachdem ich gestern damit begonnen hatte, habe ich gerade mein viertes Knäuel fertig gestellt. Bislang sind ein Hemd, ein T-sirt und eine Hose der Schere zum Opfer gefallen.

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Dieses Projekt ist heute auch mein Beitrag zum Creadienstag

Wieso denn bloß?


Eigentlich bekomme ich immer Bauchschmerzen, wenn ich irgendwo „für Männer/Frauen“ oder ähnliches lese. Die Zeiten, in denen Handarbeiten Frauensache sind, sollten eigentlich vorbei sein.

Aber sind sie das wirklich? In der letzten Zeit gabt es immer wieder Berichte über strickende oder häkelnde Männer in den Medien. Also könnte man meinen, es sei alles in Ordnung an der Handarbeitsfront. Schaut man sich jedoch den Tonfall an, in dem die Berichte verfasst sind, kehrt sich der Eindruck schnell wieder um. Handarbeitende Männer werden wie ein seltsames Kuriosum betrachtet. Zwar wird jedes mal erwähnt, dass es immer mehr werden, dennoch begegnet man ihnen mit freundlicher Befremdung.

Auch die Reaktionen im Alltag deuten darauf hin, dass handarbeitende Männer irgendwie nicht normal sind. „Ich wusste ja gar nicht, dass Männer das auch können“ habe ich nicht nur einmal gehört. Und auch ein freundliches „Ich finde das toll, dass du das machst“, meint häufig „Ich finde es toll, dass du das machst, obwohl du ein Mann bist.“ Und wer als Mann mal so richtig Sexismus erleben möchte, gehe in Handarbeitsläden und frage nach einer tunesischen Häkelnadel, mit Haken an beiden Seiten. Erfahrungsberichte sind ausdrücklich erwünscht 😉

Doch schlage ich mit diesem Blog nicht in die gleiche Kerbe? Sorgt ein Handarbeitsblog für Männer dazu, dass häkelnde Männer normaler werden? Oder zementiert er das Kuriosum?

Ich bin mir da ehrlich gesagt nicht sicher.

Sicher bin ich mir allerdings, dass andere Männer vor den selben Problemen stehen wie ich. Es gibt für uns keinen Markt. Strick- oder Häkelanleitungen für Frauen und Kindermode findet man im Internet en masse. Für Männer gibt es bedeutend weniger und das Meiste ist alles andere als modern.

Wenn man Beispielsweise auf ravelry die Anleitungen nach Geschlecht filtert, findet man 125.900 Eintage unter female, aber nur 20.700 Einträge unter male.

Ich habe auch in den Geschäften in diversen Handarbeitsheften herumgeblättert und festgestellt, dass es dort ähnlich aussieht. Für Männer ist da kaum etwas drin.

Da es so schwer ist Anleitungen zu finden, die für Männer interessant sind, habe ich mir vorgenommen an dieser Stelle meine Arbeiten vorzustellen und damit vielleicht anderen die Anregungen zu bieten, die mir im Netz fehlen.

Wie seltsam Menschen auf häkelnde Männer reagieren können, lest ihr hier.