Wieso denn bloß?


Eigentlich bekomme ich immer Bauchschmerzen, wenn ich irgendwo „für Männer/Frauen“ oder ähnliches lese. Die Zeiten, in denen Handarbeiten Frauensache sind, sollten eigentlich vorbei sein.

Aber sind sie das wirklich? In der letzten Zeit gabt es immer wieder Berichte über strickende oder häkelnde Männer in den Medien. Also könnte man meinen, es sei alles in Ordnung an der Handarbeitsfront. Schaut man sich jedoch den Tonfall an, in dem die Berichte verfasst sind, kehrt sich der Eindruck schnell wieder um. Handarbeitende Männer werden wie ein seltsames Kuriosum betrachtet. Zwar wird jedes mal erwähnt, dass es immer mehr werden, dennoch begegnet man ihnen mit freundlicher Befremdung.

Auch die Reaktionen im Alltag deuten darauf hin, dass handarbeitende Männer irgendwie nicht normal sind. „Ich wusste ja gar nicht, dass Männer das auch können“ habe ich nicht nur einmal gehört. Und auch ein freundliches „Ich finde das toll, dass du das machst“, meint häufig „Ich finde es toll, dass du das machst, obwohl du ein Mann bist.“ Und wer als Mann mal so richtig Sexismus erleben möchte, gehe in Handarbeitsläden und frage nach einer tunesischen Häkelnadel, mit Haken an beiden Seiten. Erfahrungsberichte sind ausdrücklich erwünscht 😉

Doch schlage ich mit diesem Blog nicht in die gleiche Kerbe? Sorgt ein Handarbeitsblog für Männer dazu, dass häkelnde Männer normaler werden? Oder zementiert er das Kuriosum?

Ich bin mir da ehrlich gesagt nicht sicher.

Sicher bin ich mir allerdings, dass andere Männer vor den selben Problemen stehen wie ich. Es gibt für uns keinen Markt. Strick- oder Häkelanleitungen für Frauen und Kindermode findet man im Internet en masse. Für Männer gibt es bedeutend weniger und das Meiste ist alles andere als modern.

Wenn man Beispielsweise auf ravelry die Anleitungen nach Geschlecht filtert, findet man 125.900 Eintage unter female, aber nur 20.700 Einträge unter male.

Ich habe auch in den Geschäften in diversen Handarbeitsheften herumgeblättert und festgestellt, dass es dort ähnlich aussieht. Für Männer ist da kaum etwas drin.

Da es so schwer ist Anleitungen zu finden, die für Männer interessant sind, habe ich mir vorgenommen an dieser Stelle meine Arbeiten vorzustellen und damit vielleicht anderen die Anregungen zu bieten, die mir im Netz fehlen.

Wie seltsam Menschen auf häkelnde Männer reagieren können, lest ihr hier.

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9 Kommentare zu “Wieso denn bloß?

  1. Bin hier gleich mal vorbeigeschneit ob der WordPress-Benachrichtigung über einen neuen Follower.
    Ich gestehe, dass auch mein spontaner erster Gedanke war „Cool! Ein Mann, der häkelt und strickt!“ – Es kommt einfach zu selten vor.

    Dass es allerdings so wenige Muster für Männersachen gibt, war mir nicht bewusst. Ich hätte tatsächlich angenommen, dass das Verhältnis halbwegs ausgeglichen ist.

    So, ich muss jetzt erstmal googlen, was „tunesisches Häkeln“ ist – das sieht nämlich sehr toll aus.

  2. So verwunderlich finde ich es gar nicht, dass es mehr Modelle für Frauen als für Männer gibt. Immerhin ist es weltweit so, dass Mode vor allem für Frauen gemacht wird, während sich in der Männermode in der Regel relativ wenig verändert. Insofern ist die Handarbeitswelt ein Spiegel der Gesellschaft. Nimmt man dann noch hinzu, dass vermutlich viele der Handarbeitenden vor allem für sich selbst stricken, erklärt es sich erst recht, dass es weniger Männermodelle gibt.
    Von daher bist Du halt eindeutig nicht normal. Der „normale“ Mann strickt in unserer Gesellschaft halt nicht. Die strickenden Männer sind heutzutage eine Rarität und daher nicht „normal“. Bis dahin ist alles noch ganz wertfrei.

    Ich kann mir aber gut vorstellen, dass die Kommentare, die Du mitunter bekommst noch ätzender sind als die, die ich in meinem Freundeskreis teilweise hören durfte als rauskam, dass ich gerne handarbeite. Schließlich ist das Omakram und man kann nicht einerseits Horrorfilme und Techno lieben und andererseits Omakram machen. Das ist dann nicht mehr wertfrei.
    Aber leider auch normal, da wir leider immer noch in einer Gesellschaft leben, die Menschen Rollen zuweist, die sie gefälligst auszufüllen haben und sie dementsprechend behandelt. In meinen Augen ist das auch eine Form des Alltagssexismus, von dem unsere Gesellschaft geprägt ist.

    Aber das Schöne am Handarbeiten ist ja, dass man selbst kreativ werden kann. Gerade das ist einer der Punkte, der mich wieder zum Handarbeiten gebracht hat. Ich bin zwar kein Mann, aber ziemlich kurz geraten. In der Erwachsenenabteilung ist mir alles zu groß, in der Kinderabteilung fehlt der Platz für die weiblichen Formen. Von daher habe ich seit ich wieder stricke von Anfang an mir aus Anleitungen nur Anregungen geholt, um dann etwas zu schaffen, dass zu mir passt.

    Von daher stricke ich zum Beispiel gerne Raglan von oben. Wenn man das Prinzip verstanden hat, kann man völlig frei expermientieren und das Strickstück an die eigene Körperform anpassen. Im Grunde müsste diese Technik auch auf andere Handarbeitsformen übertragbar sein. Genauso die Kimono-Form, bei der man relativ quadratisch von unten nach oben nach unten strickt und am Ende nur die Seitennaht nähen muss.

    Ich kann jedoch gut Deinen Frust verstehen, denn gerade anfangs, wenn man noch nicht wirklich weiß worauf man achten muss, wäre es einfacher, wenn man erstmal stur einer Anleitung folgen könnte und nicht gleich mit dem Experimentieren anfangen muss.

    Insofern war mein erster Pullover im Nachhinein betrachtet eine ziemliche Katastrophe. Gestrickt nach der Kimonomethode. Ich wollte zwar einen weiten Pullover, aber dieser ist ein halbes Zelt. Die Ärmel viel zu lang, so dass ich sie nach innen einnähen musste. Dabei wollte ich mir doch endlich mal etwas passendes stricken, um eben nicht Ärmel einnähen zu müssen!
    Nichtsdestotrotz: ich liebe mein unförmiges Erstlingswerk!

    Zitat: „Doch schlage ich mit diesem Blog nicht in die gleiche Kerbe? Sorgt ein Handarbeitsblog für Männer dazu, dass häkelnde Männer normaler werden? Oder zementiert er das Kuriosum?“

    Meiner Meinung nach absolut nicht. Ganz im Gegenteil. Du ebnest denen den Weg, die nach Dir kommen. Wobei Sufragetten waren auch ein Kuriosum, nicht normal. Der Begriff bekam einen negativen Beigeschmack, so wie heute Emanze ein Schimpfwort ist. Von daher bist Du vielleicht wirklich kurios und seltsam und wirst von vielen als unpassend angesehen. Aber dennoch sind Menschen wie Du notwendig, damit sich gerade diese engstirnige Weltsicht ändert.

    • Ich glaube, mit deiner Vermutung, dass viele Handarbeitenden, vor allem für sich selbst arbeiten, hast du einen der wichtigsten Punkte getroffen. Dieser führt allerdings zu einem Kreislauf. Es gibt wenige handarbeitende Männer, also gibt es wenige Anleitungen für Männer, was wiederum dafür sorgt, dass es wenige handarbeitende Männer gibt.
      Solange dieser Kreislauf weiter bedient wird, ändert sich nicht viel. Da hilft es auch nicht sonderlich viel, wenn die Medien sich vereinzelte strickende, oder häkelnde Männer heraussuchen und diese zum Trend erklären. Es fehlt ein weiterer Schritt. Es mag sein, dass der ein oder andere Mann sich von dem angeblichen Trend angespornt eine Handarbeit beibringen lässt. Und eine Mütze oder ein Schal, sind ja auch ganz gut ohne Anleitungen herzustellen. Doch wenn es darüber hinaus etwas machen will und im Laden nur Zeitschriften findet, die Verena, Sabrina, etc. heißen und die keine Anleitungen bieten, die für ihn interessant sein könnten, wird es wahrscheinlich ein sehr kurzer Trend sein.
      Ein Verlag, der es wagt neben einer monatlichen Verena, sabrina, etc. vielleicht einen vierteljählichen Klaus auf den Markt zu bringen, könnte vielleicht wirklich dafür sorgen, dass aus dem Medienhype ein echter Trend wird.

  3. So, ich finde es toll, dass du das machst. Nicht weil du ein Mann bist, sondern weil ich das alles auch mal so ansatzweise gelernt habe und viel zu faul dafür bin.

  4. Mir ist gerade eingefallen, woher ich einen strickenden Mann kenne. 🙂 Ich brauche gar nicht weit zu schauen, mein Cousin strickt mit Ausdauer Socken. Ich unterhalte mich gern übers Handarbeiten, tausche Ideen aus, schaue, was andere so herstellen, staune, lasse mich inspirieren. Da ist mir das Geschlecht doch herzlich egal. Kreativität und geschickte Finger ist alles was nötig ist, oder?

  5. Pingback: Geschlechterrollen und die “Häkelnde Gefahr” | Alles Evolution

  6. Pingback: Strickende Männer – Nischenstricker? | WockenSolle - Knitting Intelligence

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